Inhalt dieser Seite
- 1. Was die didaktische Analyse leisten soll
- 2. Die Grundfragen nach Klafki
- 3. Lehrplanbezug: zeigen, nicht nur zitieren
- 4. Didaktische Reduktion: was du weglässt und warum
- 5. Beispiel: Magnetismus in Klasse 2
- 6. Didaktische und methodische Analyse
- 7. So hilft dir Refmeister
- 8. Lernziele im 1+2-Modell
- 9. Ablauf, der trägt
- 10. Differenzierung
- 11. Formulierungen, die tragen
- 12. Wie Refmeister hilft
- 13. Häufige Fragen
Typischer Schmerz
Was die didaktische Analyse leisten soll
Sie beantwortet drei Fragen. Warum dieser Inhalt, also welchen Wert er für die Lerngruppe hat. Warum jetzt, also welche Stelle er in der Reihe und im Lehrplan einnimmt. Und warum in dieser Form, also was du von der Sache weglässt oder vereinfachst, damit diese Klasse daran lernen kann.
Die didaktische Analyse ist damit eine Begründung, keine Beschreibung. Jeder Absatz sollte eine Entscheidung erklären, die du für die Stunde getroffen hast.
Die Grundfragen nach Klafki
Wolfgang Klafki hat 1958 die didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung beschrieben, mit fünf Grundfragen: die exemplarische Bedeutung, also wofür der Inhalt stellvertretend steht, die Gegenwartsbedeutung im Leben der Kinder und Jugendlichen, die Zukunftsbedeutung, die Struktur des Inhalts und seine Zugänglichkeit für die Lerngruppe.
1985 hat er das zu einem Schema mit sieben Fragen erweitert. Neu kamen die Frage, wie sich das Gelernte überprüfen lässt, und die Frage nach dem Lehr-Lern-Prozess hinzu.
Kein Seminar erwartet, dass du alle Fragen schematisch abarbeitest. Gegenwartsbedeutung, Zukunftsbedeutung und exemplarische Bedeutung stehen aber in fast jeder didaktischen Analyse, und die exemplarische Bedeutung ist die, die am häufigsten fehlt.
Lehrplanbezug: zeigen, nicht nur zitieren
Der Lehrplan gehört in die didaktische Analyse, aber nicht als abgeschriebene Kompetenzerwartung. Nenne den Bereich oder das Inhaltsfeld und die konkrete Erwartung, und erkläre dann, welchen Schritt diese Stunde auf dem Weg dorthin macht. Die Lehrplan-Seiten zu deinem Land findest du in der Übersicht der Unterrichtsreihen.
Didaktische Reduktion: was du weglässt und warum
Didaktische Reduktion heißt, die Sache so zu vereinfachen, dass die Klasse sie verstehen kann, ohne sie zu verfälschen. Vereinfachen ist erlaubt, Falsches lehren nicht. Was später ergänzt wird, darf heute fehlen. Was später wieder verlernt werden muss, gehört nicht in die Stunde.
Benenne konkret, was wegfällt. «Das Thema wird vereinfacht dargestellt» ist keine Reduktion. «Das Modell der Elementarmagnete bleibt weg, die Kinder arbeiten nur mit der Beobachtung anziehen oder nicht anziehen» ist eine.
Beispiel: Magnetismus in Klasse 2
Gegenwartsbedeutung: Die Kinder kennen Magnete von Kühlschranktüren, Spielzeug und Brotdosen und haben schon beobachtet, dass nicht alles hält. Zukunftsbedeutung: Magnetismus ist eine Grundlage für spätere Themen wie Kompass und Elektrizität, und das Vorgehen von der Vermutung über den Versuch zum Ergebnis brauchen sie in jedem naturwissenschaftlichen Fach. Exemplarische Bedeutung: Am Magneten erleben die Kinder eine Kraft, die ohne Berührung wirkt, und lernen, eine Vermutung an einem Versuch zu prüfen. Didaktische Reduktion: Pole, Feldlinien und Elementarmagnete bleiben weg. Die Stunde arbeitet nur mit der Frage, welche Gegenstände angezogen werden, und mit dem Befund, dass nicht alle Metalle magnetisch sind.
Didaktische und methodische Analyse
Die methodische Analyse folgt auf die didaktische und begründet den Weg: warum dieser Einstieg, warum diese Sozialform an dieser Stelle, warum dieses Material. Manche Seminare fassen beide zusammen. Auch hier zählt die Begründung: Wie eine Methode funktioniert, musst du nicht erklären, warum sie hier passt, schon.
Zusammen mit Bedingungsanalyse und Lernzielen ergibt sich daraus der Unterrichtsentwurf.
So hilft dir Refmeister
Im Langentwurf (Einzelzugang) heißt dieser Teil «Didaktisches Zentrum und Lernziele». Er beginnt mit dem einen Kerngedanken der Stunde und dem Lehrplanbezug. Danach folgen eigene Absätze zu Gegenwartsbedeutung, Zukunftsbedeutung, exemplarischer Bedeutung und didaktischer Reduktion, in der das Weggelassene konkret benannt wird. Darunter stehen das Hauptlernziel und die Feinlernziele.
Die Begründung ist ein Vorschlag. Was deine Klasse betrifft, weißt nur du. Lies sie deshalb so, wie deine Fachleitung sie lesen wird.
Lernziele im 1+2-Modell
Ein Hauptlernziel, zwei Teillernziele – mehr braucht eine Stunde nicht, und weniger trägt im Besuch nicht. Das Hauptlernziel benennt eine überprüfbare Handlung der Lernenden, die Teillernziele zeigen den Weg dorthin.
Die Lernenden erschließen den zentralen Gegenstand der Stunde am Material und begründen ihr Ergebnis fachlich.
- Sie beschreiben ihre Beobachtung in eigenen Worten und mit dem passenden Fachbegriff.
- Sie übertragen die Erkenntnis auf einen zweiten, neuen Fall.
Ablauf, der im Besuch trägt
Fachleitungen sehen schnell, ob die Klasse selbst erschließt oder nur eine Erklärung nachvollzieht. Dieser Ablauf hält der Nachfrage stand:
Beobachten
Die Klasse arbeitet zuerst am Material, nicht an einer Erklärung: beobachten, sammeln, ordnen. Kein Lehrervortrag vor der Erarbeitung.
Vermuten
Die Lernenden formulieren eine Vermutung oder Hypothese und halten sie schriftlich fest — das macht Denkwege später sichtbar und bewertbar.
Prüfen
Die Vermutung wird an einem zweiten Fall, Gegenbeispiel oder Datensatz geprüft. Hier entstehen die Aha-Momente, auf die Fachleitungen achten.
Muster benennen
Erst jetzt strukturiert die Lehrkraft: Fachbegriff, Regel oder Merksatz wird gemeinsam benannt und gesichert — mit konkretem Produkt.
Realgegenstand immer mit Plan B
Differenzierung in drei Niveaus
Gleiche Lernziele, unterschiedliche Unterstützung. So bleibt die Lerngruppe zusammen und die Differenzierung ist im Verlaufsplan sichtbar begründet.
Gerüst, Hilfe, reduzierte Menge
Gestufte Hilfekarten, reduzierte Materialmenge, Satzanfänge für die Ergebnissicherung.
Erwartungshorizont der Stunde
Aufgabe mit Leitfrage und eigenständiger Wahl des Lösungs- bzw. Deutungswegs.
Vertiefung, Transfer, Begründung
Zusatzmaterial mit Gegenposition und der Auftrag, die eigene Lösung dagegen zu verteidigen.
Hausaufgabe im klaren Schema
Aufgabe: Übertrage das Ergebnis der Stunde auf ein eigenes Beispiel und begründe deine Entscheidung.
Format: Fünf bis acht Sätze im Heft, mit Bezug auf das Material der Stunde.
Formulierungen, die im Nachgespräch tragen
Die meisten Rückfragen entstehen nicht an der Stundenidee, sondern an unscharfen Lernzielen, einem zu frühen Lehrervortrag und einer Sicherung ohne Ergebnis.
- Statt
„Die Lernenden lernen etwas über das Thema.“
Besser„Die Lernenden erklären an einem Beispiel, warum … – und belegen ihre Aussage am Material.“
- Statt
Lehrervortrag am Anfang, damit alle den Stand kennen.
BesserKurzer Impuls, dann Erarbeitung am Material; die Strukturierung durch die Lehrkraft folgt in der Sicherung.
- Statt
„Sicherung im Unterrichtsgespräch.“
Besser„Sicherung: gemeinsamer Merksatz an der Tafel, den alle ins Heft übernehmen“ – ein greifbares Produkt.
Wie Refmeister dir dabei hilft
- Didaktisches Zentrum mit Kerngedanke und Lehrplanbezug
- Gegenwarts-, Zukunfts- und exemplarische Bedeutung als eigene Absätze
- Didaktische Reduktion mit konkret benanntem Weggelassenem
- Hauptlernziel und Feinlernziele direkt darunter
Häufige Fragen
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